“ Modern times?! – Digitalisierung“ – Der 64. Ergotherapie-Kongress

 In Allgemein

Vom 23. bis 25. fand in Osnabrück der Kongress des deutschen Verbands der Ergotherapeuten (DVE) statt.

Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten hatten die Möglichkeit Vorträge zu verschiedenen Fachbereichen zu besuchen, an Workshops teilzunehmen oder die von Ausstellern präsentierten Therapiematerialien zu testen und zu erwerben. Darüber hinaus gab es viele Angebote, in einen fachlichen Austausch mit Kolleg/innen zu treten.

Der Kongress stand dieses Jahr unter dem Motto “ Modern times?! – Digitalisierung“. Dies wurde von den Referent/innen zum Anlass genommen, moderne Entwicklungen in der Therapie aber auch in der Gesellschaft zu beleuchten.

Smart Homes – Leben mit Assistenz

Sogenannte „smart homes“ beziehungsweise Systeme des „assisting living“ (Leben mit Assistenz) sind dank neuer technischer Möglichkeiten auf die eigenen Bedürfnisse anpassbar. Sei es durch den von vielen bereits verwendeten Staubsaug- oder Rasenmähroboter, oder durch elektronische Beleuchtung, Türöffner, Rollläden etc., die sich über ein Tablet steuern lassen. Vor allem Innovationen wie elektrisch höhenverstellbare Schränke und Küchenzeilen, Kühlschränke die automatisch den Inhalt erfassen, Herdplatten mit einer Abschaltautomatik oder die Möglichkeit Angehörige per Videoanruf zu kontaktieren sollen in Zukunft (vor allem älteren) Personen ermöglichen, trotz körperlichen oder kognitiven Einschränkungen, wie beispielsweise Demenz, selbstständig zu Hause zu Leben.

Das Verbraucherportal Home & Smart bietet vertiefende Informationen zum Thema Ambient Assisted Living (altersgerechte Assistenz zum selbstbestimmten Leben) und stellt das vom Fraunhofer-Institut entwickelte AAL-System vor:

Smarte Apps am Arbeitsplatz

Noch in der Entwicklung stecken verschiedene Smartphone-Apps, die von Menschen mit kognitiven Einschränkungen am Arbeitsplatz genutzt werden können. Diese könnten beispielsweise Arbeitsaufträge speichern und als Checkliste, Video oder Bildanleitung individuell erklären, sodass es möglich ist ohne permanente Hilfen der Kollegen Aufträge selbstständig auszuführen. Dabei helfen Funktionen, wie die Erinnerung in regelmäßigen Abständen oder eine bebilderte Materialliste.

Im Plenum waren sich alle schnell einig, dass solche Apps auch in anderen Lebensbereichen wie zum Beispiel in Werkstätten für behinderte Menschen oder für Kinder mit Konzentrations- und Schwierigkeiten der Handlungsplanung genutzt werden können.

In der Rehabilitation werden bereits zum heutigen Zeitpunkt elektronisch betriebene Motorschienen genutzt, um das Bewegungsausmaß zu erhalten/erweitern oder Hirnleistungstraining mittels Computerprogrammen durchgeführt.

Digitale Zukunft?

Die Sorge, dass die Therapie in Zukunft komplett von Robotern übernommen werden kann, wurde von den Referenten des Kongresses nicht bestätigt. Neue Technologien stellen lediglich eine Assistenz dar, die erlernt und stetig angepasst werden muss.

Letztendlich stellt sich die Frage, wie die Zukunft und auch die Zukunft der Heilmittel-Berufe aussehen wird. „Modern times“, also neue Technologien können als Chance gesehen werden.

Eine Anforderung an die moderne Ergotherapie ist es, die Potenziale der aktuellen Entwicklungen zu erkennen, Chancen zu ergreifen und die neuen Möglichkeiten individuell auf die Ziele und Bedürfnisse der Klienten anzupassen, um ihnen so ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Neueste Beiträge

Einen Kommentar hinterlassen

Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen zur Ergotherapie oder Kunsttherapie? Wir freuen uns über Ihre Nachricht.